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Hochbegabung erkennen, verstehen und fördern 21.02.2020 / Gelsenkirchen, 21.02.2020

Ihr Kind konnte früh sprechen, zeigt Begeisterung für nicht altersgerechte Themen und fragt Ihnen Löcher in den Bauch? Das könnte auf eine Hochbegabung hinweisen. Erfahren Sie mehr über die Diagnose und den Umgang mit Hochbegabung.

Von Hochbegabung spricht man ab einem Intelligenzquotienten von über 130. Dies trifft jedoch auf gerade mal 2 Prozent der Bevölkerung zu. Ein durchschnittlicher IQ liegt bei 85-115. Nicht immer muss ein hochbegabtes Kind dem Klischee vom klavierspielenden Wunderkind entsprechen.

Ist mein Kind hochbegabt?

Diese Anzeichen erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Hochbegabung:

  • Frühes Sprechen und Laufen
  • Überspringen von Entwicklungsschritten
  • Frühes Interesse an Zahlen und Symbolen
  • Altersuntypischer, umfangreicher Wortschatz
  • Sehr gutes Gedächtnis
  • Nachhaltiges Interesse und Wissensdurst auf einem hohen Niveau
  • Selbstständiges Erlernen von Rechnen, Schreiben oder Lesen im Vorschulalter
  • Schnelles Lösen komplexer Problemstellungen

Es gibt unterschiedliche Formen und Ausprägungen der Hochbegabung. Sie kann sich auch ausschließlich auf einen mathematischen, sprachlichen, musischen oder sportlichen Schwerpunkt konzentrieren.

Verhaltensauffälligkeiten bei Hochbegabung

Hochbegabung führt nicht selten zu Verhaltensauffälligkeiten. Hochbegabte Kinder kommen in ihrer Umwelt nicht zurecht, fühlen sich unverstanden und einsam. Ihre dauernden Fragen nerven, sie gelten altklug oder wirken arrogant. Hochbegabte Kinder sind gleichaltrigen Kindern weit voraus: Interessenunterschiede führen zu sozialer Isolation.  

In der Schule kann Hochbegabung dazu führen, dass der Unterricht gestört oder die Arbeit komplett verweigert wird. Kreative Lösungsstrategien sind unbequem und werden häufig nicht gewürdigt. Bei Hochbegabung kann es zu Konzentrationsstörungen kommen, Schüler schalten geistig ab, bleiben manchmal sogar sitzen. Einige Kinder zeigen ein aggressives Verhalten. Vorschriften und Regeln werden kritisch hinterfragt und bieten Anlass zu Diskussionen.    

Ist Hochbegabung eine Krankheit?

Hochbegabte Kinder zeigen unter Umständen körperliche oder psychische Auffälligkeiten. Eine Unterforderung kann mit psychosomatischen Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen einhergehen. Die Kinder können unter Depressionen leiden. Bei aktiven, wissensdurstigen Kindern besteht die Gefahr, dass voreilig eine Entwicklungsstörung wie z. B. ADHS, vermutet wird.  

Wie wird Hochbegabung festgestellt?

Die erste Anlaufstelle ist der Haus- oder Kinderarzt, der eine Überweisung zu einem Facharzt ausstellen kann. Eine Bestimmung des Intelligenzquotienten gibt Aufschluss, ob eine Hochbegabung vorliegt. Die Messung sollte von Diplom-Psychologen durchgeführt werden, die über Erfahrungen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen verfügen. Bei einem Ergebnis von 130 und mehr wird von einer Hochbegabung ausgegangen. Ein IQ-Test kann bei Kindern ab einem Alter von 2-3 Jahren durchgeführt werden. Je älter das Kind ist, umso aussagefähiger ist der IQ-Test. In einem frühen Alter kann es sich um Entwicklungsvorsprünge handeln.

Da sich Intelligenz aus mehreren Fähigkeiten zusammensetzt, erfassen verschiedene Testverfahren unterschiedliche Bereiche der Intelligenz. Lassen Sie sich erklären, welche Fähigkeiten getestet wurden. Zur Absicherung sollte ein weiteres Verfahren durchgeführt werden, am besten nach einer Pause von einem Tag. Eine zusätzliche pädagogische Diagnostik ermöglicht Aussagen über das Lern- und Leistungsverhalten des Kindes und erlaubt eine gezielte Förderung. Psychologische Untersuchungen helfen bei der Bestimmung des Einschulungszeitpunktes oder der Frage, ob eine Klasse übersprungen werden soll.    

Kann Hochbegabung vererbt werden?

Man vermutet, dass Hochbegabung mit einem Anteil von 50-60 % vererbt wird. Eine genauso große Rolle für die Entwicklung der Intelligenz spielen neben der Genetik die Umwelteinflüsse. Bei Kindern und Jugendlichen wird der Umwelt sogar ein höherer Einfluss zugeschrieben, als der Genetik. Die frühe Förderung begabter Kinder ist somit wichtig. 

Underachiever: Hochbegabt und schlecht in der Schule

Ein IQ von 130 muss nicht mit tollen Leistungen in der Schule einhergehen. Hochbegabte, die unterdurchschnittliche Leistungen in der Schule bringen, nennt man Underachiever. Davon sind mehr Jungen als Mädchen betroffen. Die Gründe sind vielfältig. Einige Hochbegabte sind Spezialisten auf einem Themengebiet. Während sie hier zum Experten mutieren, beschäftigen sie sich überhaupt nicht mit anderen Gebieten. Andere schämen sich für ihre Begabung und passen ihre Leistungen an den Durchschnitt an. Eine Unterforderung und die damit einhergehende Verweigerung des Kindes kann ebenso Ursache für schlechte Noten sein.

Mein Kind ist hochbegabt – und nun?

Lassen Sie sich von Kinder- und Jugendpsychologen beraten und begleiten. Vereine und Stiftungen für Hochbegabte bieten wertvolle Tipps und unterstützen bei Fragen. Schulpsychologische Beratungsstellen beraten zur weiteren Schullaufbahn.

Eine frühere Einschulung darf nicht nur aufgrund der Intelligenz erfolgen: Die emotionale Reife und sozialen Fähigkeiten des Kindes sind ebenso Kriterien für die Schulfähigkeit. Bei älteren Kindern sollte die Schule über die Ergebnisse des IQ-Tests informiert werden. Schulergänzende Fördermöglichkeiten, wie der Besuch einer Kinderakademie oder die Teilnahme an Wettbewerben und AG´s fördern Kinder mit besonderen Begabungen. Viele weiterführende Schulen bieten Projekte für Begabtenförderung oder Modellklassen für Hochbegabte an. Jugendliche haben die Möglichkeit eines Frühstudiums an der Universität.    

Hochbegabte Kinder sollten ganzheitlich gefördert werden. Helfen Sie Ihrem Kind, eigenständig Antworten auf seine Fragen herauszufinden: die Bücherei, Sprachreisen und Besuche in Museen stillen den Wissensdurst.         

Weiterführende Informationen (Deutschland):

  • DGhK e.V. Verein für die Förderung hochbegabter Kinder und Jugendlicher
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung
  • www.begabtenzentrum.de
  • www.karg-stiftung.de
  • www.hector-kinderakademie.de

Weitereführende Informationen (Österreich):

  • Österreichisches Zentrum für Begabtenförderung und Begabungsforschung: www.oezbf.at
  • www.schulpsychologie.at