Sie suchen einen Beitrag zu einem bestimmten Thema?

Mein Kind bleibt sitzen: Chance oder Nachteil? 18.06.2019 / Gelsenkirchen, 18.06.2019

2,4% der Schüler wiederholten bundesweit 2017/2018 das letzte Schuljahr. Bayern liegt mit einem Anteil von 4 % klar vorne, während in Hamburg das Sitzenbleiben abgeschafft wurde.1 In den Bundesländern herrscht keine Einigkeit, wenn es um das Wiederholen der Schulklasse geht. Für die meisten Eltern ist die Nachricht, dass die Versetzung des Kindes gefährdet ist, eine Katastrophe. Wir zeigen auf, was Sie tun können, um die Leistung Ihres Kindes zu verbessern und warum die „Ehrenrunde“ auch Vorteile hat.

Wann bleibt man sitzen?

In den Grundschulen ist das Sitzenbleiben noch die Ausnahme. Zudem gibt es die sogenannte Schulanfangsphase, die man statt in zwei Jahren auch in drei Jahren absolvieren kann. Gerade Kinder, die bereits mit 5 Jahren in die Schule kommen, benötigen oftmals die zusätzliche Zeit.

Auf den weiterführenden Schulen sieht es dann schon anders aus. Generell lässt sich sagen, dass bei drei oder mehr Fünfen auf dem Zeugnis die Wiederholung der Klasse angesagt ist. Bei ein oder zwei Fünfen können gute Noten in den anderen Fächern den Ausgleich schaffen.  Für eine Sechs sollten schon zwei Zweien auf dem Zeugnis stehen.  Die Regelungen zum Sitzenbleiben sind in den Bundesländern verschieden. Darum ist es wichtig, immer den Austausch mit dem Lehrer zu suchen. Nur so erfahren Sie, wie Ihr Kind mündlich und schriftlich in dem Fach steht und wie es die Noten verbessern kann.

Gründe für das Sitzenbleiben

Manchmal zeigen die Noten und das Lernverhalten in der Grundschule schon, dass das Gymnasium nicht die geeignete Schulform für das Kind ist. Ist der Wunsch nach dem Abitur zu groß, kann falscher Ehrgeiz der Eltern zum Leistungsversagen führen. Erzwungenem Leistungsdruck ist kein Kind gewachsen, er trägt auch nicht zum Selbstbewusstsein bei.

Eltern sollten auf die Schul-Empfehlung des Lehrers hören, das Abitur kann durch einen Schulwechsel später nachgeholt werden.    

Temporäre psychische Schwierigkeiten oder belastende Situationen können zum Schulversagen beitragen. Die Trennung der Eltern, ein Umzug oder der Tod eines nahen Angehörigen gefährden die Versetzung. Auch der erste Liebeskummer lässt die Schule unwichtig werden.  

Längere Fehlzeiten in der Schule und die damit verbundenen schlechten Noten sind ebenfalls ein Grund für die „Ehrenrunde“. Fehlt Ihr Kind unentschuldigt, weil es heimlich blaumacht, finden Sie die Gründe dafür heraus. Wird es gemobbt, wird es durch seine Freunde negativ beeinflusst? War Ihr Kind längere Zeit krank, kann Nachhilfe die Lernlücken schließen.

Plötzliches Versagen und Blackouts können trotz bester Vorbereitung zu schlechten Ergebnissen in Klassenarbeiten führen. Leidet Ihr Kind unter Prüfungsangst, kann es sein Wissen plötzlich nicht mehr abrufen. Nervosität und Leistungsdruck tragen zur Denkblockade bei. Hier hilft nur, den Umgang mit der Situation zu üben: Angstauslösende Szenarien sollten gestoppt und durch positive Gedanken ersetzt werden. Entspannungs- und Atemtechniken können die Panik vermindern.

 

1 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/254796/umfrage/anteil-der-klassenwiederholer-in-deutschland-nach-bundeslaendern/

Wie kann ich vermeiden, dass mein Kind das Schuljahr wiederholen muss?

Nehmen Sie am Schulalltag des Kindes teil und bleiben Sie regelmäßig mit den Lehrern in Kontakt. Gerade Schüler in der Pubertät können bockig sein und das Gespräch verweigern. Gemeinsame Erlebnisse außerhalb der Schule sorgen für Entspannung im Familienalltag und erhöhen die Chance, dass Ihr Kind sich Ihnen gegenüber wieder öffnet. Nehmen Sie sich Zeit für die Sorgen Ihres Kindes.

Das Zwischenzeugnis ist wichtig: Es zeigt unter Umständen schon auf, dass die Versetzung gefährdet ist. Sprechen Sie mit dem Lehrer, ob zusätzliche Referate oder die mündliche Mitarbeit zur Notenverbesserung beitragen könnten.

Sorgen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind für eine gute Lernumgebung. Der Arbeitsplatz sollte aufgeräumt und strukturiert sein. Das Handy ist während der Hausaufgaben tabu.

Nachhilfeunterricht kann Schüler zusätzlich motivieren. Manchmal hilft es schon, abseits des Schulstresses in Ruhe Lernlücken schließen zu können.

Stimmen viele Bedingungen an der Schule nicht und bringt Sie das Gespräch mit Lehrern und der Schulleitung nicht weiter, ist es sinnvoll, über einen Schulwechsel nachzudenken. 

Nachteile des Sitzenbleibens

Für Kinder und Jugendliche kann Sitzenbleiben eine Kränkung des Selbstbewusstseins bedeuten. Bleiben dann noch Freundschaften auf der Strecke, sitzen sie unglücklich in der neuen Klasse. Ebenfalls kann es zu Langeweile in den Fächern kommen, in denen das Kind bis dato gut war. Auch hier hilft das Gespräch mit den Lehrern und der Kontaktaufbau zu den Klassenkameraden. Fördern Sie Verabredungen und laden Sie neue Klassenkameraden zu sich nach Hause ein. Bieten Sie Ihrem Kind Geborgenheit und Sicherheit.   

Sitzenbleiben als zweite Chance

Sitzenbleiben kann sinnvoll sein. Ihr Kind kann sich sowohl in der mündlichen, als auch schriftlichen Mitarbeit verbessern. Das tut dem Selbstbewusstsein gut und bringt die Freude am Lernen wieder zurück. Gute Noten motivieren und das Kind ist nicht mehr mit permanenten Versagensängsten konfrontiert.  Vielleicht kommt das Kind mit einem anderen Lehrer wesentlich besser zurecht. Und es hat die Chance, in der neuen Klasse tolle Freunde zu finden.

Mein Kind bleibt sitzen – und nun?

Vermeiden Sie Vorwürfe und üben Sie sich in Gelassenheit. Ihrem Kind wird es schwer genug fallen, ein Sitzenbleiber zu sein, auch wenn es dies vielleicht nicht zeigt. Stärken Sie Ihr Kind und blicken Sie positiv in die Zukunft. Ihre Einstellung überträgt sich auf Ihr Kind. Erklären Sie Ihrem Kind, dass auch berühmte „Promis“ das Schuljahr wiederholen mussten und dies durchaus keine Schande ist.